
Es war kein leichter Abschied, der mir nun bevorstand. Nach mehr als 2 Jahrzehnten denke ich immer noch wehmütig an meinen Twin Jet zurück. Mit ihm ging es mir wie mit meinem ersten Auto, unvergessen und in der Erinnerung glorifiziert.
Mit diesem Modell eignete ich mir das Basiswissen und die fliegerischen Fähigkeiten an, auf die ich wirklich aufbauen konnte.
Seinen Absturz hatte ich selbst zu verantworten. Ich war leichtsinnig geworden, weil ich mir meiner Sache so sicher war.
Trotzdem gab es ein Happy-End. Uli Streich, der mich (vorlaut alle anderen übertönend) zufällig kennengelernt und zu einem Flugplatzbesuch eingeladen hatte, bot mir eine Stelle in seiner Firma an!
Ich machte mir die Entscheidung damals nicht leicht, bat mir sechs Monate Bedenkzeit aus. Es galt einen Job an den Nagel zu hängen, der viel bedeutete. Als ich meinen Entschluß schon gefaßt hatte, bat ich dennoch meine Eltern um Rat. Sie waren es, die mir von klein auf den Weg wiesen, mir Schule und Ausbildung ermöglichten. Wie konnte ich jetzt alles aufgeben, ohne ein Wort darüber zu verlieren? Nachdem meine Eltern mir schweigend zugehört hatten, sagte mein Vater nur "wir akzeptieren deine Entscheidung".
Während der kleinen Feier anläßlich meines 10jährigen Betriebsjubiläums erzählte ich davon, und daß ich diese Entscheidung rückblickend wieder treffen würde. Im November 2005 werde ich voraussichtlich wieder eine kurze Rede halten und sagen, daß ich auch nach 20 Jahren bei VARIO keine Minute bereut habe! Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen und viele andere Berufe, denen ich früher zugunsten des einzig wählbaren den Rücken kehren mußte, sind mir im Laufe dieser Zeit hier begegnet.
Ich darf schreiben, wenn auch meine Texte für Katalog oder Website nicht mit einem Roman verglichen werden können, ich darf Fremdsprachen einsetzen und so vieles andere mehr, bei dem immer nur eines im Mittelpunkt steht: mein Hobby!
In meinem bisher erzählten Lebenslauf mit Modellhubschraubern gab es eine privat bedingte Flugpause. Nein, nicht was Sie jetzt meinen könnten. Ich wurde nicht vor die Alternative gestellt "entweder dein Hubschrauber oder ich". Es gibt manchmal wirklich wichtigeres im Leben als Freizeit. Die habe ich unter anderem für einige Jahre mit meiner Mutter verbracht und mich als erfolgreiche Rollstuhlpilotin betätigt.
Beim weiteren Durchstöbern meiner Alben fiel mein Blick auf einen Eintrag "jetzt ist meine Exa kaputt, weiter geht es auf Video". Danach finden sich nur noch wenige Schnappschüsse, auf denen nicht nur irgend ein Trainer zu sehen ist, sondern mein Hubschrauber und ich.
Ich wünschte mir nämlich einen Kobold.