Ja, ich fliege auch Hubschrauber!

Wie es dazu kam? Ganz einfach! Eines samstags abends erzählte ich in geselliger Runde, daß ich mir überlege entweder ein Motorrad zu kaufen, oder reiten zu lernen. Das hörte der zufällig anwesende Uli Streich, und er lud mich spontan ein, am Sonntag mit zum Flugplatz zu kommen. Obwohl das darauf folgende Gespräch sehr lange zurückliegt, könnte ich noch heute jedes Wort wiedergeben. Meine Verblüffung, mit der ich Flugplatz mit dem Begriff Frankfurt Flughafen assoziierte und mein freudiges Interesse, als er mir erklärte, es ginge um Modellflug.

Vorher hatte ich noch nie etwas von Modellflug gehört und war auf Anhieb begeistert!

Vieles ist mir in sehr angenehmer Erinnerung geblieben. Allem voran, daß er mich tatsächlich am nächsten Tag um 13.00 Uhr zu Hause abgeholt hat. Ob ich nicht mit seiner Pünktlichkeit gerechnet hatte, oder ob ich mich verkalkuliert habe, das weiß ich nicht mehr so genau. Aber wir lachen noch heute darüber, daß ich unbedingt nach dem Mittagessen noch Lebkuchen backen mußte. Die waren zwar fertig, hätten aber noch geschnitten und glasiert werden müssen. Als ich am frühen Abend wieder zu Hause war, hätte nur noch eine Widia-Trennscheibe geholfen, die steinharte Teigplatte in mundgerechte Stücke zu schneiden. Seither werde ich in schöner Regelmäßigkeit im Advent gebeten, auf die Herstellung von Lebkuchen-Bruch zu verzichten.

Solche Geschichten häuften sich zwar nicht, aber es ereignete sich in lockerer Folge so manches, was ich inzwischen als Anekdote in geselliger Runde zum besten geben kann. Eines abends klingelte ein Nachbar, der sofort, nachdem ich ihm die Türe geöffnet hatte, die Nase rümpfte und nach dem Grund für den merkwürdigen Geruch fragte. Schuld war ein Gulasch, von dem nur noch in der Vergangenheitsform gesprochen werden konnte. Resümee: Die Garzeit von Schmorgulasch ist kürzer als der Zeitbedarf für das Einsetzen von Fensterscheiben in ein Modell.
Ich kann auch nur dringend davor warnen, beim Einsetzen von Ruderscharniere in eine Fläche keine Decke auf den (Echtholz-)Wohnzimmertisch zu legen. Es kam also was kommen mußte, ich hatte einen unübersehbaren Kratzer zu verantworten; stirnseitig. Meinem Mann erklärte ich, dies wäre doch nicht weiter tragisch, schließlich stünde auf der entgegengesetzten Stirnseite immer eine Schale mit irgendwelchem Knabberzeug auf dem klassisch unverzichtbaren Deckchen. Also drehten wir den Tisch um 180° und verschoben anschließend die Schale samt Deckchen. Der Kratzer, der nun zum Vorschein kam, war zwar etwas kleiner, doch änderte dies nichts an meinem Erklärungsnotstand.

Wünschen Sie sich besser keine Partnerin, die Modellbau zum Hobby hat! Sie riskieren, Ihren Sonntagskaffee im Stehen zu trinken, wenn das Eßzimmer in der Nacht zuvor zur optimalen Werkstatt erklärt worden war, und jeder Ihrer noch so wichtigen Hinweise auf lebenserhaltende Maßnahmen zu Diskussionen führen kann, bei der die eloquente (Modellbau-)Frau endlos über die viel wichtigeren Vorteile ihres Hobbies referiert. Es sei denn, Sie akzeptieren Seite 384 im dicken Kochbuch als Antwort auf Ihre Frage, wo das Abendessen steht und Sie finden sich damit ab, zum Schmiermaxe degradiert zu werden.

Nun muß ich mich aber entscheiden, keinen Roman darüber zu schreiben, wie gerne ich Ruderscharniere in Flächen einsetze, oder wieviel Spaß es mir bereitet, einen Rumpf abzuschleifen und zum Lackieren vorzubereiten. Ich will nur kurz zusammenfassen, daß ich nach zwei Jahren Flächenflug zum Hubschrauber wechselte. Nach einem halben Jahr intensivem Training nahm ich mit meinem Twin Jet im Sommer 1984 zum ersten Mal an einem Wettbewerb teil.

Rosemarie Knechtel, Twin Jet.

Für die folgenden Seiten habe ich aus meinen Fotoalben einige Bilder und Dokumente ausgewählt, die mir persönlich viel bedeuten. >>>

VARIO Helicopter Fanclub

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